IN or OUT? – Wie zeitgemäß sind interne Kreativabteilungen?

Es scheint ein alter Hut zu sein, aber trotzdem ist es eine immer wiederkehrende Frage, die unsere Kunden regelmäßig beschäftigt: Ist es besser Kreativ-Leistungen extern (durch Dienstleister) oder intern (durch Kreativabteilungen) umzusetzen? Es gibt einige Argumente für eine in-house Lösung. Schauen wir uns die meist genannten Argumente für eine interne Kreation zusammen an:

1. Schnelligkeit

„Da ruf ich kurz den Maier an und dann hab’ ich die Überarbeitung ratzfatz.“ Das ist eine überspitzte Art um auszudrücken, was Unternehmen an internen Kreativabteilungen am meisten wertschätzen. Die kurzen Wege und die schnellen Abstimmungsprozesse. Auch die allseits bekannten „Türbriefings“ sind hier gern gesehen und Projekte werden per Zuruf übertragen. So wird die Kreativabteilung als verlängerter Arm des Marketings wahrgenommen und essenzielle Prozessschritte entlang der Wertschöpfungskette (z.B. schriftliches Briefing, Rebriefing, Freigaben) werden übergangen. Tatsächlich verleiten die fehlende räumliche sowie emotionale Entfernung zu den Kollegen aus der Kreativabteilung immer wieder gern zu „unbürokratischen“ Prozessen. Diese werden in der Situation zwar als zeitsparend wahrgenommen, bringen in Summe aber mehr Aufwand mit sich, da es so aufgrund es unklaren Arbeitsauftrags häufiger zu Korrekturschleifen kommt.

2. Spezialisierungsgrad

Interne Kreativabteilungen können sich aufgrund ihrer Mono-Kultur sehr viel besser auf die Produkte/Services einlassen, kennen sie meist genau so gut wie die Produktmanager. Besonders bei erklärungsbedürftigen Produkten/Services ist das Fachwissen der Kreation in einem solchen Detail-Grad sehr hilfreich. Die Frage, die sich Unternehmen stellen müssen, ist jedoch „Sollen Kreative meine Kommunikation entwickeln, die Experten für meine Produkte/Dienstleistungen sind oder die Experten für Kommunikation sind?“ Bei internen Kreativabteilungen gibt es einen hohen Anteil an Generalisten, denn die Abteilungen sind nie so groß, dass Experten für alle Kommunikations-Disziplinen beschäftigt werden können. Bei einem systematisch aufgebauten Agentur-Portfolio können Agenturen passend für das jeweilige Projekt beauftragt und die benötigten Leistungen individuell eingekauft werden.

Mono-Kultur führt auch dazu, dass die Kreativen keine weiteren Einflüsse durch andere Kundenprojekte bekommen. Ohne andere Einflüsse und Herausforderungen können nach einiger Zeit die Ideenvielfalt und die Inspiration schwinden. Wenn nach ein paar Jahren die Kommunikation ihre Strahlkraft verloren hat, kann man die entsprechende Agentur in den Wettbewerb setzen und den Etat zum Pitch ausschreiben. Bei einem Pitch um den Etat der internen Kreativabteilung wird sich jedoch möglicherweise der Betriebsrat einschalten…

3. Kosten

In-house Lösungen werden oft als kostengünstiger wahrgenommen. Aber ist dies wirklich immer der Fall? Wenn Unternehmen erst einmal an eine interne Lösung gewöhnt sind, werden sie schnell abgeschreckt durch Kosten, die ein externer Dienstleister vor Projektbeginn aufruft. Das muss aber nicht immer daran liegen, dass Externe automatisch teurer sind. Oft sind Kunden schon eingeschüchtert, wenn eine Agentur transparent aufzeigt, welchen Aufwand sie in den einzelnen Phasen vermutet. Bei internen Lösungen ist es immer noch zu oft der Fall, dass der angefallene Aufwand pro Projekt und Arbeitsschritt nicht ausreichend nachgehalten wird. Wie „teuer“ ein Projekt somit in Gänze ist (inkl. prozentualer Personalkosten) ist vielen nicht klar. Somit sind Projekte, die von internen Kreativabteilungen abgewickelt werden, meist nur vermeintlich günstiger.

Abschließend kann man sagen, dass es nicht DIE EINE Lösung für alle Unternehmen gibt. Eine Beobachtung, die wir immer wieder machen, ist, dass interne Kreativabteilungen eine Comfort-Zone für viele Mitarbeiter bietet, aber nicht immer automatisch die beste Lösung für das Unternehmen und die Marke sein muss. Es lohnt sich, die Vor-und Nachteile sehr genau abzuwägen und dann eine customised-Lösung individuell für den eigenen Fall zu entwickeln. Und manchmal kann die beste Lösung auch eine Mischform aus beiden Modellen sein.

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One Comment

  1. how to delete google plus account permanently Says :

    Posted on 5. November 2015 at 14:10

    Great post.

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