CREA 2015 – Die Jury im Interview

In wenigen Wochen findet die erste Jurysitzung des CREA Credential Awards statt, in der die Shortlist der besten Agentureinreichungen von einer kompetenten Fachjury aus Unternehmensvertretern verschiedenster Branchen bestimmt wird. Auch Simone Wastl, Geschäftsbereichsleiterin Vermarktung Dialogmarketing der Deutschen Post, wird Teil der Jury sein und spricht schon heute mit cherrypicker über die Vielseitigkeit der Agenturbranche, authentische Informationsquellen und mehrstufige, crossmediale Ansätze in der Kundenansprache:

Simone Wastl

Haben Sie das Gefühl, einen ausführlichen Überblick über die aktuelle Agenturlandschaft zu haben?

Die Agenturlandschaft ist heute auf der einen Seite sehr etabliert mit einigen großen und seit Jahren erfolgreichen Agenturen, die ein breites Spektrum abdecken. Auf der anderen Seite ist die Landschaft sehr dynamisch mit vielen kleineren Spezialagenturen, die sehr schnell auf neue Kommunikationsmöglichkeiten und auf sich veränderndes Kommunikationsverhalten reagieren. Dieses vielfältige und sehr unterschiedliche Know-How benötigen wir, um die Botschaften der Deutschen Post „state of the art“ platzieren zu können. Insofern muss ich als Verantwortliche für die Kommunikation Post Deutschland einen guten Überblick über die aktuelle Agenturlandschaft haben. Ich denke, dass gelingt mir ganz gut.

Nutzen Sie digitale oder klassische Kanäle, wenn Sie sich über eine Agentur informieren?

„Entweder oder“ geht heute nicht mehr. Kommunikation ist heute crossmedial, das gilt auch für die Informationsbeschaffung. Ein guter, erster physischer Agenturkontakt in Form einer tollen Broschüre oder ein tolles Mailing weckt mein Interesse und ich schaue mir den digitalen Auftritt an. Zudem spielen natürlich die klassischen, persönlichen Kanäle nach wie vor eine große Rolle für mich. Der persönliche und regelmäßige Austausch mit Kollegen aus anderen Unternehmen und Agenturen auf Veranstaltungen oder aufgrund langjähriger Kontakte sind authentische Informationsquellen, auf die ich auch in einer zunehmend digitalen Welt nicht verzichten möchte. Ein gutes persönliches Netzwerk ist immer noch wichtig.

Welche Tendenzen und Entwicklungen nehmen Sie im Eigenmarketing von Agenturen wahr?

Mein Eindruck ist, dass das Eigenmarketing der Agenturen professioneller, intelligenter und kreativer geworden ist. Damit meine ich, dass Agenturen zunehmend so für sich werben, wie sie es ihren Kunden empfehlen und sich individuell auf ihre Kunden einstellen. Die Agenturen haben meiner Meinung nach erkannt, dass eine überschaubare Eigenwerbung in Fachmedien, Teilnahme an Kreativ-Wettbewerben oder mit unpersönlichen Anschreiben nicht mehr ausreicht. Auch Agenturen haben das Problem wie ihre Kunden, bei durchschnittlich 12.000 Werbekontakten pro Person und Tag Gehör zu finden.

Abschließend: Was war der kreativste oder der unglücklichste Akquise-Versuch, den Sie bisher miterlebt haben?

Die Frage ist gar nicht so einfach, da ich täglich Dinge auf den Schreibtisch bekomme, Links erhalte oder angerufen werde. Da sind schöne, überraschende Dinge dabei, wie beispielsweise eine Bewerbung einer Agentur, die nicht direkt als Akquise-Versuch erkennbar war. Eine Digitalagentur hat vor kurzem Cases vorgestellt – tolle Arbeiten, tolles Team, tolle Präsentation. Das überzeugt! Im Corporate Publishing Bereich bin ich immer wieder von ganz tollen Broschüren, schönen Texten und einer starken Bildauswahl überrascht. Auch mehrstufige cross-mediale Ansätze, die aufeinander aufbauen, finde ich persönlich Klasse.

Und genau darum geht es heute, den Nutzer zu überraschen, mit relevanten Geschichten Botschaften in unsere Köpfe zu transportieren. Das menschliche Gehirn funktioniert nun einmal so, was nicht relevant ist und sich von anderem unterscheidet, wird wegfiltert. Die Zeiten, Produkte und Services in endlosen Lobeshymnen anzupreisen, sind vorbei.

Und damit bin ich schon bei unglücklichen Akquise-Versuchen. Davon gibt es viele, meist funktionieren sie – oder besser funktionieren sie nicht – nach dem Motto „viel hilft viel“. Da wird man bombardiert mit endlosen Präsentationen, Hochglanzbroschüren und Referenzkundenlisten.

Was mich echt nervt, sind Agenturen oder Dienstleister, die alle Nummern des Teams inkl. meiner durch telefonieren und dann am Telefon behaupten, sie kennen mich gut und der Assistentin glaubhaft versichern, dass ich auf ihren Rückruf usw. warte. Das ist weder smart noch angenehm…

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